Wie Amazon seine Marktplatz-Händler schikaniert

Immer wieder kommt es mal vor, dass Amazon die Händlerkonten überprüft. Soweit ist daran auch nichts verwerfliches zu erkennen und sicher ist uns als kleiner Händler des Kinderspiels „Klau mir nix“ daran gelegen, den Marktplatz etwas sicherer zu machen um das Vertrauen für die Kunden zu stärken.

Nebenbei sei erwähnt, dass mir immer wieder in Gesprächen auffällt, dass vielen Kunden überhaupt nicht bewusst ist, dass sie Ware bei einem Marktplatz-Händler erwerben und nicht direkt bei Amazon.

Maßnahme erforderlich, um die Durchsetzung des Kontos zu vermeiden

Zurück zum Thema: So liegt also unsere letzte Verifizierung etwa vier Monate zurück. Gefordert werden hierbei die üblichen Dokumente: Kontoauszug, Kopie einer Telefon-, Gas- oder Stromrechnung, Kopie des Personalausweises sowie Handelsregisterauszug oder Gewerbeanmeldung. Bei der Gewerbeanmeldung darf das Dokument nicht älter als 90 Tage sein. D.h. man muss hier den Gang zum Rathaus vornehmen und sich vor Ort einen Abdruck der Gewerbeanmeldung für 5 € erstellen lassen.

Also hatte ich dann die Kontoverifizierung im August diesen Jahres erfolgreich mit mehr oder weniger Aufwand durchführen können.

Kontoverifizierung bei Amazon


Maßnahme erforderlich, um die Durchsetzung des Kontos zu vermeiden„. So steht es in meinem Sellerkonto und ehrlich gesagt möchte ich nicht wissen, was genau der Verfasser dieses Satzes zu sich genommen hat.

Leider scheint sich Amazon also mit unserer erst vier Monate jungen Verifizierung nicht zufrieden zu geben und friert erst einmal „vorsorglich“ die Auszahlungen am 8.11.2020 mit der Bitte um erneute Kontoverifizierung ein. Warum der Zeitpunkt mitten in der Weihnachtsgeschäftsvorbereitung gewählt wird sei ebenfalls ungeklärt. Da Händler zugegebenermaßen etwas abhängig vom weltweit größten Marktplatz sind, schlucken sie die Pille und gehen den Aufwand nochmals ein.

So habe ich es gleichgetan und einfach nochmals die Dokumente zur Prüfung Mitte November eingereicht. Nun liegt die Prüfung bis gestern in den Händen von Amazon und natürlich ist während dieses Zeitraums kein Zugriff auf Gelder möglich. Nun mag ich mit meiner Forderung eines vierstelligen Betrages dadurch nicht in finanzielle Schwierigkeiten gelangen, jedoch ist im Seller-Forum teilweise von 6-stelligen Beträgen die Rede, welche ohne Grund zurückgehalten werden.

Dummerweise hat sich Amazon mit der Prüfung nun so viel Zeit gelassen, dass die 90 Tage „Gültigkeit“ des Gewerbeanmelde-Abdrucks natürlich vorbei sind. Den Sachverhalt habe ich so an Amazon übermittelt und bin nun gespannt ob Amazon mich noch einmal zum Gang zum Rathaus „zwingt“.

Auszahlung verweigern während der Prüfung?

Es ist für mich auch nicht nachvollziehbar, warum die Auszahlungen ohne Verdachtsmoment überhaupt während der Überprüfung eingefroren werden müsste. Eine nicht bestätigte These von mir ist, dass durch dieses Vorgehen zusätzliche (Zins-)Einnahmen in die Kasse gespült werden. In diversen Beiträgen zu lesen steht hier ein zweistelliger Millionenbetrag im Raum.

Auch kommt es vor, hiervon bin ich dann vermutlich nach der Veröffentlichung dieses Artikels betroffen, dass Amazon komplett ohne Vorwarnung das Konto sperrt und das Guthaben einfriert. Und dann- und das ist für mich das schlimmste – einfach auf Anwaltsschreiben nicht reagiert. (Quelle: https://www.onlinehaendler-news.de/e-recht/aktuelle-urteile/133697-amazon-kontensperrung-wehren oder hier https://www.telecom-handel.de/point-of-sale/amazon/amazon-auszahlung-haendlerguthaben-einfach-verweigern-2613636.html) Amazon Händler sehen sich leider in Ihrer Abhängigkeit nicht immer in der Lage hier gerichtlich oder auch medienwirksam gegen dieses Geschäftsgebaren vorgehen zu können. Jedoch wäre dies erforderlich um den „Quasi-Monopolist“ ein bisschen in seine Schranken zu weisen.

Ich werde hier nun regelmäßig Updates posten und berichten wie der Sachverhalt weiter geht. Ich kann allen Lesern nur ans Herz legen Artikel – so unbequem es auch sein mag – auch außerhalb des Amazon-Universums zu bestellen um so einen kleinen Teil dazu beizutragen diese Geschäftspraktiken nicht zu unterstützen.

Gerne beantworte ich Fragen zum Thema und bin auch nach wie vor auf der Suche nach weiteren „Betroffenen“ um vielleicht sogar in einem eigenen Blog die Fälle bekannt zu machen um der Öffentlichkeit auch einmal die „andere“ Seite des „kundenfreundlichsten Unternehmens der Welt“ von Jeff Bezos zu zeigen.

UPDATE 07.12. : Gestern hat Amazon den noch offenen Betrag auf mein Konto angewiesen. Eine Antwort auf meine vielen Tickets habe ich jedoch nicht erhalten. Auch ist das Konto immer noch in Prüfung und somit ist das Thema noch nicht abgeschlossen. Ich hoffe trotzdem, dass sich ein paar (viele) Händler melden, gerne würde ich das in einem Bericht / Report zusammenfassen und den (guten) Journalisten überlassen. Ich halte euch auf dem Laufenden….

UPDATE 13.12.: Heute erhielt ich wieder die Aufforderung den Gewerbeschein erneut hochzuladen, da der bereits hochgeladene Gewerbeschein älter als 90 Tage sei. Ich werde nun diesbezüglich nochmals antworten und abwarten….

UPDATE 17.12.: Amazon hat die Gewerbeanmeldung – wie prognostiziert – leider nicht akzeptiert. Aufgrund des erneuten Lockdowns war es mir möglich den Abdruck der Gewerbeanmeldung telefonisch anzufordern. Das habe ich dann auch gemacht um weitere Herausforderungen mit Amazon zu umgehen.

UPDATE: 28.12.: Der Abdruck der Gewerbeanmeldung war in der Post und wurde von mir im Sellercenter hochgeladen

UPDATE: 6.1.: Seit heute ist das Konto erfolgreich überprüft und alles ist freigeschalten. Oh Wunder. Ich bin nun gespannt, wann die nächste Kontenprüfung folgt.

2 Antworten auf „Wie Amazon seine Marktplatz-Händler schikaniert“

  1. Hi Gernot,

    vielen Dank für deinen Artikel. Ich gebe schon zu, wir bestellen (oder haben) viel auf Amazon bestellt. Aktuell versuchen wir das aber wieder zu reduzieren. Es ist halt immer schwierig mit Quasi-Monopolisten umzugehen.

    Aber was mich verwirrt, wieso kann ich „Klau mir nix“ aktuell bei Amazon kaufen? Wurde die Sperre wieder aufgehoben?

    Grüße

    1. Hi Christian, der Verkauf des Kinderspiels wurde nicht gesperrt, da sonst Amazon a) seine Einnahmen aus der Verkaufsprovision und b) seine Einnahmen aus dem Fulfilment und c) seine Werbeeinnahmen verlieren würde. Somit ging der Verkauf weiter, jedoch meine Verkaufserlöse konnte ich nicht auf mein Konto überweisen, da die Auszahlungsmöglichkeit gesperrt war. Vermutlich habe ich das nicht deutlich genug erläutert 🙂 VG Gernot

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